{"id":5986,"date":"2024-06-01T08:56:08","date_gmt":"2024-06-01T06:56:08","guid":{"rendered":"https:\/\/portius-fotografie.com\/?p=5986"},"modified":"2024-06-01T08:56:08","modified_gmt":"2024-06-01T06:56:08","slug":"juni-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/portius-fotografie.com\/?p=5986","title":{"rendered":"Juni 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#8220;5984&#8243; img_size=&#8220;full&#8220; onclick=&#8220;link_image&#8220;][vc_column_text]Ich falle, wie es so sch\u00f6n anschaulich hei\u00dft, mit der T\u00fcr ins Haus: Dieses Foto ist eine F\u00e4lschung, die ich mittels KI, also K\u00fcnstlicher Intelligenz, kreiert habe. Als Fotograf geh\u00f6rt es f\u00fcr mich dazu, dass ich hinsichtlich neuester Bildbearbeitungstechniken auf einem m\u00f6glichst aktuellen Stand zu sein habe. Es \u00fcberrascht mich dennoch immer wieder, wie einfach es mittlerweile mit leistungsf\u00e4higer Bildbearbeitungssoftware ist, Welten zu erschaffen, die so gar nichts mit der Realit\u00e4t zu tun haben, auch wenn der erste Eindruck das nicht immer vermuten l\u00e4sst. Das ist ein Problem, das letztendlich unsere Gesellschaft in ihrer Gesamtheit betrifft, also nicht nur Leserinnen und Leser dieser Kolumne, die an der Fotografie interessiert sind.<\/p>\n<p><strong>Auch Profis erkennen F\u00e4lschungen nicht ohne Weiteres<\/strong><\/p>\n<p>Egal, ob es um das Anschauen von Fotos und Videos auf Social Media, auf Homepages oder den Konsum bestimmter \u201eNachrichtensendungen\u201c von \u201ealternativen Medien\u201c geht, Bild- und Tonf\u00e4lschungen sind nicht mehr sofort und ohne Weiteres zu erkennen \u2013 auch f\u00fcr Profis nicht. Propaganda- und Desinformationskampagnen wird mit der rasanten Weiterentwicklung von entsprechender Software mehr denn je T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet \u2013 nicht nur in einer Zeit mit Kriegen und bevorstehenden Wahlen im In- und Ausland. Das halte ich (als studierter Journalist) f\u00fcr hochgef\u00e4hrlich. Ich sehe langfristige Auswirkungen, die wir als Gesellschaft noch kaum erkennen k\u00f6nnen und sehr viel ernster nehmen sollten.<\/p>\n<p>Zum Foto: Ich habe das gelbe Haus im M\u00e4rz 2023 auf den Vester\u00e5len in Norwegen aufgenommen. Eine h\u00fcbsche, farbenfrohe Heimstatt in 1A-Lage am Hadselfjord. Blauer Himmel, schneebedeckte Berge, so weit, so gut. H\u00fcbsch, aber auch kein Motiv, das zu spontanen Begeisterungsst\u00fcrmen hinrei\u00dft. Vor kurzem kam mir jedoch die Idee, es f\u00fcr eine Bildmanipulation und somit f\u00fcr das \u201eBild des Monats\u201c einzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Schnell gemacht<\/strong><\/p>\n<p>Das Verbl\u00fcffende: Ich habe keine 30 Sekunden gebraucht, um die Walfluke ins Bild zu bekommen. Tats\u00e4chlich schwamm vor dem Haus niemals dieses so faszinierende S\u00e4ugetier! Wie bin ich vorgegangen? Benutzt habe ich eine Beta-Version von Photoshop aus dem Hause Adobe, die laufend ihre KI-F\u00e4higkeiten verbessert (wie andere Software-Schmieden auch). Zuerst habe ich mit der Maus einen kleinen Rahmen an der Stelle im Bild aufgezogen, wo ich die Fluke haben wollte. Dann habe ich in ein kleines Eingabefeld das Folgende geschrieben: \u201eDie Fluke eines Wals taucht aus dem Wasser auf\u201c (strenggenommen signalisiert die Fluke ein gerade abtauchendes Tier). Es hat ein paar Sekunden gedauert und die Software zeigte mir drei Vorschl\u00e4ge an; den vorliegenden habe ich schlie\u00dflich ohne jede weitere Bearbeitung ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Klar, vor f\u00fcnfzehn, zwanzig Jahren war es auch schon m\u00f6glich, Bilder am heimischen Computer digital zu ver\u00e4ndern und eine alternative Realit\u00e4t zu erschaffen. Der Unterschied zur heutigen Zeit ist jedoch, dass man damals gewisse Kenntnisse in der Bildbearbeitung haben musste. Der Umgang mit Bearbeitungsebenen, Filtern, Perspektivlinien, Masken, digitalen Pinseln usw. setzte Erfahrung, k\u00fcnstlerische Kreativit\u00e4t und ein gutes Auge voraus. Allzu oft waren viele Stunden Arbeit n\u00f6tig, wenn das Ergebnis \u00fcberzeugen sollte \u2026 Jetzt, im Jahr 2024, ist es auch f\u00fcr Laien m\u00f6glich, lediglich mit beschreibenden Worten komplexe Phantasiewelten zu erschaffen. Daran gemessen ist die Fluke lediglich eine kleine Spielerei \u2013 und die Software wird sich in den kommenden Jahren mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter verbessern.<\/p>\n<p><strong>Fake News k\u00f6nnen eine Waffe sein<\/strong><\/p>\n<p>Verlassen wir gedanklich kurz den Fjord in Norwegen und blicken auf einen sogenannten Avatar, also eine mittels K\u00fcnstlicher Intelligenz vorget\u00e4uschte Gestalt, die zum Beispiel wie ein Frau aussehen kann, und mit einer Stimme spricht, die menschlich zu sein scheint. Denken wir au\u00dferdem an eine (real existierende) Nachrichtensprecherin, die Millionen Fernsehzuschauer kennen, weil sie abends p\u00fcnktlich um 20:00 Uhr in deutschen Wohnzimmern auf den Bildschirmen erscheint. Technisch gesehen ist es gar kein Problem mehr, einen Avatar genau dieser Sprecherin zu erschaffen, der nun an anderer Stelle, beispielsweise im Internet, auftritt und komplett gef\u00e4lschte bzw. erfundene Nachrichten (Fake News) vorliest. Der Avatar lebt vom hohen Vertrauensvorschuss, der ihm zugebilligt wird. Und schon schnappt die Falle zu! In letzter Konsequenz k\u00f6nnten so ganze L\u00e4nder und mithin die Welt ins Chaos st\u00fcrzen, denn die scheinbar vertraute Sprecherin w\u00fcrde ja nicht mehr ohne Weiteres als digitale F\u00e4lschung erkannt werden. Welche Falschmeldungen sie genau verbreiten k\u00f6nnte, \u00fcberlasse ich der Fantasie der Lesenden \u2026 Avatare k\u00f6nnten nat\u00fcrlich auch Staatenlenker sein. \u00dcbertreibe ich? Ich bin sicher, dass ich das nicht tue. Denn es gibt bereits ungez\u00e4hlte Beispiele von <a href=\"https:\/\/www.lmu.de\/de\/newsroom\/newsuebersicht\/news\/kuenstliche-intelligenz-die-flut-gefaelschter-fakten.html\"><strong><span style=\"color: #0000ff;\">Fake<\/span><\/strong>&#8211;<strong><span style=\"color: #0000ff;\">News<\/span><\/strong><\/a>, die auf KI basieren, und in der Vergangenheit f\u00fcr Verunsicherung gesorgt haben \u2013 vorsichtig formuliert. Dieses Ph\u00e4nomen wird zunehmen, und darauf sind wir als Gesellschaft nicht ausreichend vorbereitet.<\/p>\n<p><strong>Bildung als Schl\u00fcsselfaktor<\/strong><\/p>\n<p>Was hilft dagegen? Als Schl\u00fcsselfaktor sehe ich Menschen mit einer breiten Allgemeinbildung, zu der auch Medienkompetenz geh\u00f6rt. Diese hilft, Sachverhalte besser einordnen und kritisch hinterfragen zu k\u00f6nnen. Genau hier sehe ich aber eine Fehlentwicklung. Ein kleines Beispiel: Allzu oft lese ich von einer \u201eDigital-Offensive\u201c an allgemeinbildenden Schulen, mehr folgt dann inhaltlich meist nicht. Als ob es reichen w\u00fcrde, m\u00f6glichst jedem Sch\u00fcler und jeder Sch\u00fclerin ein Notebook f\u00fcr den Unterricht zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das ist kein Fortschritt! Ich wei\u00df aus vielen Gespr\u00e4chen, dass sich auch die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer dieser Problematik bewusst ist, denn digitaler Unterricht ist leider noch viel zu oft auf das blo\u00dfe (technische) Erlernen von Computerprogrammen ausgerichtet und vernachl\u00e4ssigt gleichzeitig das Einordnen der mittels Suchmaschinen herausgefilterten Ergebnisse. Genau an dieser Stelle k\u00f6nnen nun neben seri\u00f6sen Quellen und Informationen auch jede Menge Fake News oder schlicht Unsinn in den Ergebnissen aufgelistet werden. Es gilt also, die Spreu vom Weizen zu trennen. Hierzu sind fundierte Informationen vonn\u00f6ten, die nicht zwangsl\u00e4ufig mittels Suchmaschinen zu finden sind, sondern unter anderem in guten (!) Sach- und Fachb\u00fcchern, in Lexika, autobiografischen oder historischen Abhandlungen. Oft sollte es bereits helfen, der Lehrerin und dem Lehrer zuzuh\u00f6ren und sich nicht auf ein kleines H\u00e4kchen zu verlassen, das vom Achtkl\u00e4ssler ohne wirkliches Verstehen auf einem digitalen \u00dcbungsblatt gesetzt wird. Trial and error, bis es passt und ein wunderbar gr\u00fcner Daumen virtuell nach oben zeigt \u2026<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf den \u201eWal\u201c im Fjord k\u00f6nnte man sich nun folgende Fragen stellen: Ist das vielleicht die Fluke eines Pottwals? Falls ja, kann es tats\u00e4chlich sein, dass ein bis zu 55 Tonnen schweres und 20 Meter langes Tier quasi vor der Haust\u00fcr herumschwimmt? Wie ist denn wohl die Wassertiefe im Fjord? Kann das Tier dort \u00fcberhaupt jagen? Schlie\u00dflich ben\u00f6tigen ausgewachsene Tiere jeden Tag knapp eine Tonne Nahrung (u. a. Riesentintenfische), die sie auch in mehr als 1000 Meter Tiefe noch erjagen k\u00f6nnen. Welche Walarten sind \u00fcberhaupt vor Norwegens K\u00fcste anzutreffen? Und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Nun ist wohl klar: Nicht alle diese Fragen lassen sich ohne Recherche und\/oder Nachdenken beantworten. Nat\u00fcrlich kann auch das Internet helfen, doch man sollte stets die M\u00f6glichkeit gezielt gestreuter Falschinformationen im Hinterkopf haben. Um Fakten oder auch nur Wahrscheinlichkeiten bewerten zu k\u00f6nnen, ist viel Arbeit und Disziplin vonn\u00f6ten. Tag f\u00fcr Tag. Hier m\u00fcssen wir als Gesellschaft investieren und aufmerksam sein. Falls nicht, besteht die Gefahr, dass wir zum Opfer unserer Leichtgl\u00e4ubigkeit werden und allzu einfach zu manipulieren sind. Die in ein Foto hineingezauberte Fluke eines Wals ist vor diesem Hintergrund wahrlich ein klitzekleines Problem \u2026<\/p>\n<p><em><strong>Foto:<\/strong> \u201eWal-F\u00e4lschung\u201c, Vester\u00e5len, Norwegen. Canon EOS 7D, \u00a0f\/4.0-5,6 VC Di USD, SP 70-300 mm, 70 mm, 1\/640 sec, f\/8, ISO 200, Stativ<\/em>[\/vc_column_text][lab_button title=&#8220;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8220; type=&#8220;standard&#8220; link=&#8220;url:http%3A%2F%2Fportius-fotografie.com%2F%3Fpage_id%3D72|||&#8220;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column][vc_single_image image=&#8220;5984&#8243; img_size=&#8220;full&#8220; onclick=&#8220;link_image&#8220;][vc_column_text]Ich falle, wie es so sch\u00f6n anschaulich hei\u00dft, mit der T\u00fcr ins Haus: Dieses Foto ist eine F\u00e4lschung, die ich mittels KI,&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5984,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13,12],"tags":[9],"class_list":["post-5986","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-bild-des-monats","category-norwegen","tag-bilddesmonats"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5986"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5991,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5986\/revisions\/5991"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/portius-fotografie.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}