Für diesen Monat habe ich ein Foto aus einem Genre ausgewählt, das ich auf dieser Homepage bislang wenig bis gar nicht berücksichtigt habe: die Reportagefotografie. Dabei gilt gerade dieser Disziplin meine besondere Leidenschaft. Ich finde es faszinierend, dass dabei oftmals Fotos entstehen, auf denen jedes Detail etwas aussagt und der Betrachter gleichzeitig seiner Phantasie freien Lauf lassen und die Geschichte des Augenblicks weiterspinnen kann. Gleichzeitig lassen sich die allermeisten Situationen fotografisch gesehen nicht wiederholen, sie werden zu einzigartigen Bilddokumenten …
Vor dem Hintergrund dieses Gedankens lohnt sich ein Blick in die Geschichte der Fotografie. Ein Pionier der Reportage- bzw. Schnappschussfotografie war zum Beispiel der in Frankreich geborene Brite Paul Martin (16.04.1864 – 07.07.1944). Er realisierte Aufnahmen in Schneestürmen, fotografierte als erster bei strömendem Regen in der Nacht und nahm die technischen Herausforderungen bei Mondlicht an. Seine Bildkunst kann heute in wichtigen Sammlungen in den USA und in England betrachtet werden. Schaue ich auf seine Bilder, habe ich das Gefühl ganze Romane entwickeln sich vor meinem inneren Auge.
9.800 Jahre alte Besiedlungsspuren
Die mit dem Blut eines Rentierbullen beschmierte Hand gehört dem Sámi und Rentierzüchter Peter. Er ist Mitglied der Sámeby Maskaure. In der direkten Übersetzung bedeutet Sámeby „Samendorf“. Das Wort steht jedoch auch für die Organisation der Urbevölkerung in Rentierzüchtergemeinschaften/ -verbänden, die sich von Idre in Mittelschweden bis in den hohen Norden an die Grenze zu Norwegen erstrecken. Peter lebt in einer Region nahe am Polarkreis in Schwedisch-Lappland, in der sich erste Besiedlungsspuren zuverlässig nachweisen lassen, die 9.800 Jahre alt sind. An einem kleinen See namens Dumpokjauratj (zwei Kilometer östlich von Arjeplog) wurden zwei Herdgruben, eine Abfallgrube, ein Schiefermesser, verbrannte Knochensplitter und vieles mehr gefunden.
Es ist Herbst 2022. Peter hat soeben einen schlachtreifen Bullen mittels eines Bolzenschussgerätes getötet und anschließend ausgeweidet. Das Fleisch dient seiner Familie als Wintervorrat oder wird verkauft. Den Zeitpunkt des Schlachtens hat der Rentierzüchter gut gewählt, noch war der Bulle nicht in der Brunft. Nur wenige Tage später wäre sein Fleisch, aufgrund des dann ausgeschütteten Testosterons, ungenießbar gewesen.
Foto: Rentierschlachtung, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 6D Mark II, F 1.4 DG HSM, 85mm, 1/320 sec, f/4.0, +0,33, ISO 800.