Wintermorgen
Meine Füße treten grobe Spuren
In den Schnee, der feucht zergeht.
In den Häusern brennen Frühstücksfeuer,
Auf den Dächern zittert noch ein scheuer
Schein der Monds, der westwärts gläsern steht.
Alle Knechte sind jetzt noch verschlafen
Und sie werfen ihren Rossen Futter vor.
Alle Mägde strecken sich und gehen,
Um nach Zuber, Schurz und Tuch zu sehen,
Langsam durch das halbwegs offne Tor.
Alle Wege sind noch unbegangen,
Alle Bäume sind jetzt frisch beschneit.
Aber schon beginnt der Tag zu dämmern,
In der Werkstatt schon der Schmied zu hämmern.
Eine Glocke klingt und eine Krähe schreit.
Für das Foto des Monats Dezember habe ich diesmal das direkt am Ufer des Uddjaur gelegene Haus eines Nachbarn ausgewählt. Wobei „Nachbar“ in Lappland ein sehr dehnbarer Begriff ist, der mit den landläufigen Vorstellungen eines Mitteleuropäers kaum in Einklang zu bringen ist. Denn unser Zuhause liegt rund 25 Kilometer von diesem wunderbaren Domizil entfernt – „mitten im Busch“. Uns trennen eine Schotterpiste, unzählige Seen, tiefe Wälder, Berge und Höhenzüge. Zusammengefasst: ganz viel Nichts. Und gerade deshalb freue ich mich Tag für Tag, nicht an Ampeln warten und im Stau stehen zu müssen, keine Huperei zu hören und keine Verkehrsnachrichten verfolgen zu müssen.
Die Pistenverhältnisse ändern sich mit der Witterung. An einem Morgen ist es im Winter spiegelglatt wie im Eishockeystadion, am nächsten Tag liegen 25 cm Schnee, die darauf warten, vom Schneeräumer beseitigt zu werden. Im Frühjahr versinken die Felgen halb im Schlamm, und im Sommer sorgen Staub und intensiver Sonnenschein für Sichtverhältnisse, die gegen null gehen können. Mit unschöner Regelmäßigkeit versuchen sich Eichhörnchen das Leben zu nehmen, indem sie unmittelbar vor dem Auto die Piste queren. Alternativ stehen Rentiere oder Elche hinter Kurven mitten auf der Fahrspur und geben desinteressiert zu verstehen, wer hier das längere Wohnrecht hat. Erst in der vergangenen Woche ist mir ein Auerhuhn in die Scheibe geflogen. Ich hatte keine Chance, den Aufprall zu verhindern. All das gehört zu unserem Alltag, der wunderschön, gelegentlich abenteuerlich und anstrengend, jedoch nie langweilig ist.
Ich wünsche allseits gute Fahrt und eine Vorweihnachtszeit, die Gelegenheiten zum Durchatmen bietet. 😉
Foto: “Winterlicht”, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 500D, 3,5-6,3 DC, 18-200 mm, 18 mm, 1/80 sec, f/8, +0,33, ISO 100