Schon vor Jahren habe ich es mir angewöhnt, immer eine schussbereite Kamera im Auto mitzuführen. Man weiß schließlich nie, welche Überraschungen die weitgehend einsamen Straßen Lapplands bereithalten – so auch am 12. April in der Nähe des kleinen Ortes Krokträsk. Ich war auf dem langen Weg nach Umeå am Bottnischen Meerbusen, um im dortigen Baumarkt (erstaunlich viel) Geld für die bevorstehende „Bau-Saison“ zu lassen. Ich wusste, dass jetzt, mit Beginn des Frühlings und angesichts tauenden Schnees und schwindenden Eises auf den Seen und Flüssen, die Sámi ihre Rentiere wieder ins Landesinnere treiben und rechnete insgeheim mit Begegnungen, insofern hatte ich auch das voraussichtlich richtige Objektiv bereits montiert (Ergebnis eines in der Vergangenheit durchaus bitteren Lernprozesses).

Kälteeinbruch unerwünscht

Den Winter haben die Tiere in der wärmeren Küstenregion verbracht. Dieser alljährliche Rhythmus des Herdenzugs ist seit Jahrhunderten in diesem Teil Lapplands üblich und erhöht die Überlebenschancen der Tiere während der dunklen Jahreszeit signifikant. Die Rentierhirten hoffen nun, dass im angepeilten Sommerrefugium ein ebenso plötzlicher wie später Kälteeinbruch und unerwartet starker Schneefall ausbleiben, denn bereits in wenigen Wochen werden die ersten Kälbchen geboren … Obwohl ich für meine Fotos nur wenige Minuten Zeit hatte, schoss es mir durch den Kopf, dass ich vor 100 oder auch nur 60 Jahren die gleiche Szenerie hätte fotografieren können. Die einzigen Unterschiede wären wohl nur gewesen, dass die Sámi Skier statt Motorschlitten sowie Fellkleidung anstelle von Hightech-Fasern benutzt hätten. Und im Vordergrund des Bildes hätte ich mit Sicherheit Schotter und nicht Asphalt gesehen.

Foto: „Rentierzug“, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 7D,  f/4.0-5,6 VC Di USD, SP 70-300 mm, 161 mm, 1/400 sec, f/8,0, +0,67, ISO 320.

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