Trollstigen (die „Trollleiter“) ist ein Klassiker der Reisefotografie in Norwegen. Über insgesamt elf Serpentinen zieht sich die nur in den Sommermonaten geöffnete Passstraße mit einer Steigung von rund zwölf Prozent vom Isterdal hinauf auf eine Höhe von 850 Metern. Sie verbindet den südlich gelegenen Storfjord mit dem nördlichen Romsdalfjord in der Provinz Møre og Romsdal.

Das Foto, das ich am 15. Juli dieses Jahres aus Richtung Utsikten („Aussicht“) aufgenommen habe, zeigt den Blick ins Isterdal mit dem 240 Meter hohen Wasserfall Stigfossen im Schatten des Berges Bispen („Bischof“), der sich 1.450 Meter in den Himmel streckt. Offiziell eröffnet wurde Trollstigen am 31. Juli 1936 nach achtjähriger Bauzeit. König Haakon VII. nahm seinerzeit die Zeremonie vor. Seitdem haben Millionen Menschen die Haarnadelkurven gemeistert, denn Trollstigen zählt inmitten einer spektakulären Landschaft zu einem der touristischen Höhepunkte Norwegens, den sich viele Reisende nicht entgehen lassen. Einen Höhepunkt dürfte allerdings auch der Blutdruck vieler „Kapitäne der Landstraße“ inmitten der Serpentinen erreichen, die häufig mit gemieteten und seeehr großen Wohnmobilen unterwegs sind. Gelegentlich konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass einige Fahrerinnen und Fahrer nur knapp die Oberhand über ihr Gefährt und die Maße desselben behalten. Abgefedert wird das Ganze jedoch durch ein insgesamt rücksichtsvolles Verhalten aller Verkehrsteilnehmer, die ausreichend Geduld und Klugheit für vorausschauendes Fahren mitbringen. Zumindest hier funktioniert das noch.

Lebendiges Heidentum

Ihren Namen hat Trollstigen natürlich den Trollen zu verdanken, jenen Fabelwesen der nordischen Mythologie, die die Ruhe der Wildnis bevorzugen und deshalb nicht in Städten zu finden sind. In alten Erzählungen werden sie als helfend, manchmal ärgernd und auch den Menschen behindernd beschrieben. Deshalb sollte man sich stets gut mit diesen Wesen stellen. Eine Überzeugung, die noch heute in kleinen Steinmännchen („Varde“ auf Norwegisch) entlang von Straßen oder Wanderwegen ihren Nachklang findet. Diese sollen nämlich die geheimnisvollen Fabelwesen aus Sicht des Touristen freundlich stimmen … Also, auf der nächsten Skandinavientour nicht über diese im Kern heidnische Vorstellung wundern …

Neue (große) Steinmännchen sollten übrigens nicht aufgeschichtet werden, da eine zu große Verwechslungsgefahr mit historischen Steinmännchen besteht, die insbesondere im baum- und weglosen Gelände nichts anderes als archaische Wegzeichen sind und verirrten Wanderern das Leben retten können.

Foto: Trollstigen, Norwegen. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 16 mm, 1/200 sec, f/8.0, ISO 400, Polfilter.

zurück zur Übersicht