Nach dem Foto „Trollstigen“ aus dem vergangenen Monat habe ich mich auch diesmal für ein ebenso klassisches wie sommerliches Motiv entschieden – schließlich steht die dunkle Jahreszeit bevor, deshalb sollte es an dieser Stelle nicht an Licht sowie faszinierenden Farbkontrasten mangeln. Abgebildet ist das (Fischer-)Dorf Reine auf den Lofoten, eine Inselgruppe, die rund 100 bis 300 Kilometer oberhalb des Polarkreises im Atlantik liegt und zu Norwegen gehört. Rund 300 Bewohner zählt dieses (touristische) „Zentrum“ im Süden einer wilden Landschaft, von der ich nie genug bekommen kann.
Der berühmte norwegische Maler, Journalist und Autor Christian Krohg (13.08.1852 –16.10.1925) hatte seinerzeit offensichtlich ähnliche Gedanken. Er beschreibt Reine sehr eindrücklich: „Plötzlich entdeckte ich die Stadt, die am Fuße dieses großartigen Gebirges lag. Ich hatte sie vorher nicht bemerkt. Ich verstand nicht, wie sie dort liegen konnte. Ich verstand nicht, wie sie es wagte, die Stille zu durchbrechen. Sie wirkte wie eine Entheiligung, wie ein Anachronismus, wie ein vorläufiges Arrangement … Und wieder sah ich auf die Berge, und wieder sah ich auf die Stadt. Es war beinahe unmöglich, beides auf einmal zu sehen. Zehn Farben, Formen und Begriffe dringen in die Augen und Gedanken: Die Stadt dringt nicht in die Landschaft ein, sie fällt heraus, wie die Maler sagen …“ (…)
Regensturm im Juni
Wenn ich auf den Lofoten unterwegs bin, gehört Reine zum Pflichtprogramm, wobei ich stets versuche, sehr früh morgens oder spät am Abend zu fotografieren. Dabei geht es mir nicht nur um das besondere arktische Licht, denn im Dorf geht es äußerst beengt zu. Es gibt zahlreiche Stellen, an denen Kraftfahrzeuge nicht aneinander vorbeikommen, und ab 10:00 Uhr morgens fallen im Sommer Besucherinnen und Besucher in Scharen ein oder krabbeln verstärkt aus den Betten der vielen vermieteten Rorbuer, den traditionsreichen Fischerhütten, die auch noch auf den kleinsten Felsvorsprüngen zu finden sind und von den Wellen des Meeres umspielt werden. Reine ist buchstäblich zwischen Wasser und hochaufragenden Bergen eingeklemmt. Entsprechend übersichtlich sind in aller Regel auch die Grundstücke der Einheimischen (und trotzdem unbezahlbar).
In diesen Breitengraden ist das Wetter immer ein Thema. Ich habe hier Anfang Juni schon einen Regensturm erlebt, der es nicht erlaubte, die Kamera auch nur zehn Sekunden herauszunehmen. Andererseits gibt es in meinem Archiv Winterbilder aus dem Februar, die mit funkelndem Schnee unter einem strahlend blauem Himmel beinahe unwirklich erscheinen – einfach zu schön und intensiv, um wahr zu sein.
Hier habe ich unter Aktuelles weitere Impressionen von Reine und den direkt angrenzenden Dörfern Sakrisøy sowie Hamnøy zusammengestellt.
Foto: Fischerdorf Reine, Lofoteninseln in Norwegen. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 24 mm, 1/125 sec, f/8.0, ISO 200, Polfilter, Stativ.