An der dem rauen Europäischen Nordmeer zugewandten Westseite der norwegischen Inselgruppe der Vesterålen liegt das malerische Fischerdorf Nyksund, dessen Blütezeit etwa ab 1850 begann. Zu dieser Zeit lebten rund 250 Menschen ganzjährig in dem extrem abgelegenen Örtchen, das weit über dem Polarkreis liegt und erst 1960 eine Straßenanbindung erhielt. Eine Infrastrukturmaßnahme, die jedoch nicht verhindern konnte, dass das Dorf ab 1970 zur Geisterstadt wurde. Für die immer moderneren und größeren Fischerboote erwies sich Nyksunds Hafen als zu klein. Das Aufkommen einer leistungsfähigeren Fischereiflotte führte zudem zu einer Zentralisierung der notwendigen Infrastruktur, zu der Kühlhäuser und Reparaturwerften gehörten. In der Folge zogen die Fischerfamilien weg – zusätzlich motiviert von Räumungsgeldern der norwegischen Regierung.

Projekt der TU Berlin

Im Jahre 1985 entdeckte schließlich Burkhard Herrmann, damals Student der Sozialpädagogik an der Technischen Universität Berlin, das nahezu vergessene Dorf und initiierte zusammen mit Kommilitonen und Dozenten den Aufbau einer internationalen Begegnungsstätte. Zum Konzept gehörte auch die Renovierung einiger Häuser rund um den kleinen Hafen. Zwar konnte für das auf zunächst sieben pachtfreie Jahre ausgelegte Konzept keine Verlängerung erzielt werden, doch immerhin bewirkte die Initiative, dass sich die norwegischen Besitzer und die zuständige Verwaltung wieder mehr für Nyksund interessierten.

Wilde Küstenlinie

Rückblickend kann das Berliner Engagement als ein Startschuss gewertet werden, der dazu führte, dass heutzutage wieder rund 30 Menschen mehr oder weniger ganzjährig im Dorf leben. Sie können von Jahr zu Jahr mehr Touristen begrüßen, die sich vom morbiden Charme des Ortes bezaubern lassen. Es gilt, ein uriges Gästehaus, ein Restaurant, ein Büchercafé und einen liebevoll eingerichteten Antiquitätenladen zu entdecken. Der eigentliche Star ist aber die wilde Küstenlinie, die von hoch aufragenden Felswänden dominiert wird, vor denen die bunte Hafenszenerie von Nyksund klein und zerbrechlich wirkt.

Foto: Fischerdorf Nyksund, Vesterålen. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 26 mm, 1/125 sec, f/8.0, ISO 160, Polfilter, Stativ.

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