Ich mag Norwegens Hauptstadt Oslo. Besonders am frühen Morgen im Sommer, wenn sich höchstens ein paar einsame Jogger tapfer ihrer Bettwärme entledigen und die ersten Busfahrer ihre noch weitgehend leeren Gefährte rund um den Hafen und ins erste Licht des Tages steuern. Dann ist für mich die Zeit der Architekturfotografie gekommen, in der manchmal Möwen aufs Bild kommen und ansonsten keine Zwei- und Vierbeiner vom Motiv ablenken. In Szene gesetzt habe ich diesmal die Oper der nordischen Metropole, die ich im Rahmen einer ausgedehnten Norwegenreise im vergangenen Jahr besucht habe.

Ein tönender Eisberg

Das Gebäude wirkt wie ein riesiger Eisberg und liegt am Fjord der Bjørvika-Bucht. Es ist ein Entwurf des Osloer Architektenbüros Snøhetta („Schneekappe“), das sich in einem internationalen Wettbewerb gegen rund 200 Konkurrenten durchsetzen konnte. Der imposante Bau reicht bis 16 Meter unter den Wasserspiegel, ist 242 Meter lang und 110 Meter breit. Der erste Spatenstich erfolgte im Februar 2003. Die Fertigstellung war für den September 2008 geplant, konnte jedoch aufgrund des zügigen Baufortschritts um fünf Monate nach vorne verlegt werden. Über 1.000 Räume verteilen sich auf knapp 40.000 Quadratmeter.

Es mag ein Ausdruck von Norwegens Wohlstand sein, dass die Außenhülle des Opernhauses aus Carrara-Marmor in Verbindung mit Glas besteht – insgesamt rund 38.000 Einzelplatten. Der Bereich vor dem Haupteingang ist ebenfalls mit Carrara versehen, der im Winter von einer Fußbodenheizung erwärmt wird, da Streusalz den italienischen Marmor angreifen würde.

Der hufeisenförmige Große Saal bietet Platz für 1.360 Personen und ist der Semperoper in Dresden nachempfunden. Die Wände sind mit dunkler Eiche verkleidet, die aus Deutschland stammt. Der wertvolle Baustoff wurde mehrjährig abgelagert und mit Ammoniak behandelt, um ihm einen besonderen Glanz zu verleihen. Über dem Publikum schwebt Norwegens größter Kronleuchter, dessen 8,5 Tonnen sich auf einen Durchmesser von sieben Metern verteilen.

Nach wie vor gilt das Opernhaus als Norwegens größtes Kulturprojekt der Nachkriegszeit.

Für Fotografen ist die äußere Linienführung des Gebäudes besonders spannend. Läuft man nur ein paar Dutzend Meter um das Opernhaus herum, ergibt sich durch den Sucher betrachtet stets ein völlig neuer Eindruck. Das Spektrum reicht von überaus wuchtig bis elegant geschwungen.

Foto: Oper in Oslo, Norwegen. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 16 mm, 1/320 sec, f/7.1, +0,33, ISO 320, Polfilter, Stativ.

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