Es ist Ende Februar. Der Winter hält Lappland bereits seit vier Monaten im eisigen Griff. Noch ist das Eis auf den Seen vor unserer Haustür rund 40 Zentimeter dick und geschützt von einer ebenso schweren wie launischen Schneedecke, die jeden Ausflug mit Schneeschuhen oder Langlaufbrettern zu einer echten Herausforderung werden lässt.

Der Ruf des Raben

Bei Windstille legt sich eine kaum zu greifende Lautlosigkeit über diese weiten, tischebenen Flächen. Nur gelegentlich ist der einsame Ruf eines Raben zu hören oder das Knistern des eigenen Atems am Kragen der wärmenden Jacke. Diese Ruhe, dieses stets unterschwellige Gefühl sich in einer Welt zu bewegen, die in Wahrheit gar nicht existiert, endet erst um Ostern herum. Dann erwachen Land und Leute wieder zum Leben, als hätte alles wie auf ein geheimnisvolles Kommando darauf gewartet, dass Kälte und Dunkelheit endlich nachlassen und ihren Kampf gegen den Frühling aufgegeben haben. Jetzt ist für viele Menschen im hohen Norden Schwedens die Zeit gekommen, um auf Schneemobilen hinauszufahren und Löcher in die nahezu unberührten Oberflächen der Seen zu bohren – immer mit der Hoffnung verbunden, beim Eisangeln endlich den allergrößten Hecht seit Beginn der Zeitrechnung zu erbeuten.

Auch der Rentierhirte Jonas genießt jetzt die wärmeren Temperaturen. Sein PS-starkes und mehr als 100 kg schweres Schneemobil wandelt sich nun von einem Arbeitsgerät, mit dessen Hilfe er in den zurückliegenden Monaten seine Rentiere vor Vielfraßen und Bären beschützt hat, zu einem Sport- und Freizeitgefährt, mit dem sich mancherlei Herausforderungen des abziehenden Winters nur so zum Spaß meistern lassen. Immer vorausgesetzt, dass fahrerisches Können und die Gesetze der Physik gut miteinander harmonieren …

Frühling in der Garage

Zuerst bricht das Eis der Seen an den Zuflüssen von Bächen auf. In der Folge bilden sich immer größere eisfreie Flächen, die es mit ausreichend Geschwindigkeit zu überqueren gilt. Es ist erstaunlich, wie gut die für Eis und Schnee optimierte Gleiskette mit dem Element Wasser zurechtkommt und Jonas wieder auf festen Untergrund befördert. „Probiere es doch auch mal“, sagt mein Freund und grinst. Ich verzichte dankend – mit seinen rund 50 Jahren Fahrerfahrung kann ich nicht mithalten. Zudem wäre ich nicht der erste Nordländer, der den Frühling in seiner Garage verbringt und einen mit Wasser vollgelaufenen Vergaser mitsamt Motor in alle Einzelteile zerlegt …  

Foto: „Wassersport“, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 7D,  f/4.0-5,6 VC Di USD, SP 70-300 mm, 168 mm, 1/400 sec, f/8, +0,67, ISO 200

zurück zur Übersicht