„Ruhe ist das Meer und Schweigen der ganz persönliche Ozean.“ An diesen Satz von Gerd Jüttner – Jahrgang 1954, Dipl.-Rel.-päd. und Dipl.-Journ. – denke ich gelegentlich, wenn ich mich an einem meiner Lieblingsplätze aufhalte, der sich zudem fast vor unserer Haustür befindet. Dieser für mich besondere Platz befindet sich am Ufer des Laisälven, einem der letzten naturbelassenen Flüsse Lapplands.
Hochwillkommene Einsamkeit
In der Mitte der Luftaufnahme, dort, wo der Fluss etwas breiter wird und die kleine Landzunge auf der rechten Seite zu sehen ist, befindet sich gut versteckt und auch für meine Drohne unsichtbar hinter der ersten Baumreihe eine offene Schutzhütte mit einer Lagerfeuerstelle. Brennholz und eine Axt sind stets vorhanden. Seit zehn Jahren kenne ich diesen wunderbaren Platz, der nicht zuletzt für Jäger, Angler oder Kanuten ideal ist, um sich auszuruhen, eine Mahlzeit zuzubereiten oder Schutz vor einem Unwetter zu suchen. In dieser langen Zeit habe ich dort noch nie eine Menschenseele angetroffen … Ich sitze hier gerne am Feuer, schaue auf den Fluss, beobachte Prachttaucher im Kehrwasser, lausche einem Specht oder erkunde mit meiner Drohne den Luftraum. Wahlweise mache ich auch gar nichts.
Der Laisälven ist knapp 200 Kilometer lang, sein Einzugsgebiet beträgt nahezu 3000 Quadratkilometer. Er entspringt nahe der norwegischen Grenze im Fjäll und ist der größte Nebenfluss des ebenfalls unregulierten Flusses Vindelälven, der seinerseits nach 450 Kilometern in den Umeälven mündet. In Schwedisch-Lappland gibt es immerhin noch vier große Flüsse, die 1993 durch einen Beschluss des schwedischen Reichstags zu Nationalflüssen erklärt wurden und nicht zur Energieausbeute mittels Wasserkraft genutzt oder sonst wie reguliert werden dürfen. Neben dem Vindelälven fallen der Torneälven, der Piteälven und der Kalixälven unter diese Schutzbestimmung der Regierung.
Ich kann es nicht leugnen: Wenn ich am Ufer des Laisälven sitze, fühle ich mich sehr privilegiert, dass ich diese Wildnis erleben darf …
Foto: “Der Laisälven von oben”, Schwedisch-Lappland. DJI Mini 2 Drohne, 1/240 sec, f/2.8, ISO 100.