Auf die Winterszeit
Der Winter hat sich angefangen,
Der Schnee bedeckt das ganze Land,
Der Sommer ist hinweggegangen,
Der Wald hat sich in Reif verwandt.
Die Wiesen sind von Frost versehret,
Die Felder glänzen wie Metall;
Die Blumen sind in Eis verkehret,
Die Flüsse stehn wie harter Stahl.
Wolan, wir wollen von uns jagen
Durchs Feur das kalte Winterkleid;
Komt, laßt uns Holz zum Herde tragen
Und Kohlen dran, jetzt ist es Zeit.
Laßt uns den Fürnewein hergeben
Dort unten aus dem großen Faß!
Das ist das rechte Winterleben:
Ein‘ heiße Stub‘ und kühles Glas.
Wolan, wir wollen musicieren
Bei warmer Luft und kühlen Wein;
Ein ander mag sein‘ Klagen führen,
Den Mammon nie läßt frölich sein.
Wir wollen spielen, scherzen, essen,
Solang‘ uns noch kein Geld gebricht,
Doch auch der Schönsten nicht vergessen,
Denn wer nicht liebt, der lebet nicht.
Wir haben dennoch gnug zu sorgen,
Wann nun das Alter komt heran;
Es weiß doch keiner, was ihm morgen
Noch vor ein Glück begegnen kan.
Drum wil ich ohne Sorgen leben,
Mit meinen Brüdern frölich sein.
Nach Ehr‘ und Tugend thu‘ ich streben,
Den Rest befehl‘ ich Gott allein.
(Johann Rist, 1607-1667, bedeutender evangelisch-lutherischer Theologe, Pastor und Dichter)
Das Bild zeigt unser Haus in Innervik am See Maskaure in einer Januarnacht. Innervik ist ein alter Siedlungsplatz der Sámi, der tief in den Wäldern Lapplands liegt. Nur noch drei Menschen leben hier ganzjährig. In der dunklen Jahreszeit tanzen Nordlichter sehr häufig über der kleinen Ansiedlung. Oft glaube ich, das Rauschen des Nordlichts hören zu können, vielleicht ist es aber auch nur mein Atem, der sich am Kragen niederschlägt und sofort gefriert.
Foto: Innervik unter dem Nordlicht. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 16 mm, 8,0 sec, f/4, ISO 1600, Stativ.