Dieses Bild vermittelt vielleicht eine kleine Ahnung davon, wie streng Väterchen Frost am Polarkreis in Lappland regieren kann. Insbesondere der Winter 2023/2024 hatte extreme Temperaturen zu bieten, die bei uns bis auf -52 °C nach unten gingen. In einer kleinen Siedlung, nur ein paar Kilometer von unserem Zuhause entfernt, hatte sich ein Eishockey-Fan um den Jahreswechsel herum eine dreitägige Reise nach Stockholm gegönnt, um sich ein Spiel anzusehen. Das war ein Fehler. Als er schließlich wieder zu Hause war, erwartete ihn im Keller ein Schwimmbad. Nahezu alle Wasserleitungen waren geplatzt … Ein Totalschaden der Heizungsanlage war zudem die Folge. Rund um Arjeplog ging in jenem Winter viel kaputt.
Wir hatten vergleichsweise Glück. Lediglich eine Waschmaschine im Keller hat den Frost nicht überlebt, andere Probleme hinterließen keine langfristigen Schäden (eingefrorene Abläufe, Schneefräse quittierte den Dienst, Pkw-Heizung ohne Funktion, Hauswasserwerk mit Problemen usw.). Außerdem hatte ich dummerweise mein Schneemobil für einige Tage draußen geparkt. Es war schließlich so eingeeist und festgebacken, dass ich es erst im Frühjahr wieder frei bekam. Jede Nachlässigkeit wird bestraft, das lerne ich immer noch.
Schon vor der Rekordminustemperatur sank im vergangenen Winter das Thermometer für mehrere Tage hintereinander auf unter -40 °C. Und das war das Problem: Normalerweise halten sich solche extremen Temperaturen nur kurzzeitig, oft für 24 Stunden oder weniger. Zeiträume, die in aller Regel nicht dazu führen, dass ein Haus bis in den Kern komplett durchfriert (bei vielen üblichen Holzhauskonstruktionen verlaufen wasserführende Leitungen oftmals ohne besondere Isolationsmaßnahmen unter den OSB-Fußböden; hier kann der Frost reinkriechen, auch wenn die Häuser normal geheizt werden). Aufgrund dieser Erfahrungen habe ich in diesem Sommer besonders gefährdete Wasserleitungen mit elektrischen Rohrbegleitheizungen versehen, die die Temperatur immer über 0 °C halten sollen. Das funktioniert bislang gut, nur längere Stromausfälle sollte es nicht geben.
Dieser Winter ist anders
In diesem Winter ist alles anders: Selten, dass die Temperaturen unter -10 °C fallen. Es liegt vergleichsweise wenig Schnee, die Straßen sind oft tückisch glatt – eine Eisschicht hat die normalerweise vorhandene weiße Pracht ersetzt. Während ich diese Zeilen schreibe (30. Dezember), tobt draußen erneut ein Sturm mit Starkböen. Im benachbarten Norwegen ruht in weiten Teilen der öffentliche Nahverkehr. Züge und Busse bleiben in ihren Depots, der Nordatlantik lässt grüßen … Auf der Ostseite Skandinaviens, am Bottnischen Meerbusen, suchen in diesem Winter ebenfalls häufig Stürme die Küsten heim. Die Meere in Ost und West sind vergleichsweise warm, es ist viel Energie in der Atmosphäre, die zu signifikanten Luftdruckunterschieden führt – so entstehen Stürme.
Ich fange jetzt an dieser Stelle nicht erneut an, über die Folgen des Klimawandels zu spekulieren, doch dass sich in den vergangenen Jahrzehnten etwas im Norden Europas verändert hat, ist nicht zu übersehen. Ich bin kein Meteorologe, und ohne Klimatabellen unter dem Arm sollte ich mit solchen Aussagen vorsichtig sein. Eine subjektive Betrachtung ist nicht immer eine gute Richtschnur. Wie auch immer, seit 1995 beschäftige ich mich intensiv mit dem Norden Skandinaviens. An einen so wechselhaften und relativ warmen Winter auf 66 Grad nördlicher Breite kann ich mich nicht erinnern. Extremes Wetter mit wilden Temperaturwechseln nach oben und unten ist wohl die neue Normalität – von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr.
Foto: Winterhaus in Schwedisch-Lappland. Canon EOS 6D Mark II, 5,6-6,3, 150-600 mm DG OS HSM, 172 mm, 1/80 sec, f/8,0, ISO 400