Die Flüsse im hohen Norden Skandinaviens weisen einen charakteristischen stufenförmigen Verlauf auf, der in Europa einmalig ist. Kanuten und Kajakfahrer mit einem Hang zum Abenteuer wissen ein Lied davon zu singen. Allzu oft habe ich im schwedischen oder norwegischen Nirgendwo schon am Ufer eines Flusses gestanden und herauszufinden versucht, ob die vor mir liegende Passage mit dem (Wildwasser-)Kanu einigermaßen gefahrlos befahrbar ist. Leichtes, mäßiges und auch schweres Wildwasser folgt in aller Regel auf längere See- und Staustrecken („Zahmwasser“), die wiederum von schweren Stufen und unfahrbaren Wasserfällen abgelöst werden. Langweilig wird es nie.

Erhöhter Adrenalinspiegel

Verantwortlich dafür ist die Entwicklungsgeschichte der Erde. Geologisch gesehen sind die Flüsse im hohen Norden Europas erst während der letzten Eiszeit, der Weichsel-Kaltzeit, entstanden. Sie begann vor etwa 115.000 Jahren, endete vor 11.600 Jahren und markiert den Übergang vom Pleistozän (das dauerte etwa 2,5 Millionen Jahre) in das Holozän, also der Jetztzeit. Auch wenn diese Zeiträume bereits das menschliche Fassungsvermögen sehr deutlich überschreiten, hat den Flüssen die Zeit nicht gereicht, um ihre Betten relativ gleichmäßig auszuschleifen. Im Ergebnis ist beim Befahren von Skandinaviens Fließgewässern sehr häufig ein erhöhter Adrenalinspiegel einzukalkulieren, der sich auch nicht abbaut, wenn das Kanu über glatte Ufersteine und durch dichte Uferbewaldung an unfahrbaren Abschnitten vorbeigetragen oder auch gezogen werden muss – immer begleitet von unzähligen Moskitos, die ihre sich plagenden Opfer natürlich nicht verschmähen. „Bullerbü-Schweden“ ist in solchen Momenten jedenfalls sehr weit weg …

Das Foto zeigt den Byskeälven in Schwedisch-Lappland Anfang Februar. Er ist knapp über 200 Kilometer lang und berühmt für seinen Lachsreichtum. Sein Wasser ist relativ dunkel, da seine Quellgewässer in der Weite des Waldes und nicht im Bergland liegen. Rund 30 Kilometer vor der Mündung in den Bottnischen Meerbusen gibt es ein „Lachsobservatorium“, dort wurde eine gläserne Wand realisiert, die einen seitlichen Einblick auf eine Lachstreppe in den Fluss ermöglicht.

Foto: „Byskeälven“, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 16 mm, 4,00 sec, f/14, +0,33 LW, ISO 50, Polfilter, Stativ.

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