Frohes neues Jahr, liebe Freundinnen und Freunde der gehobenen Unterhaltung! Ich schreibe diesen Text am 1. Januar. Es ist jetzt 14:15 Uhr, und ich sitze recht bequem in meinem Arbeitszimmer vor den Bildschirmen. Das Außenthermometer zeigt -18 °C. Ich schaue durchs Fenster und sehe die einsame Felsengebirgstanne und unsere großen Fichten in ein frisches Grau getaucht. Die Sonne ist offiziell um 13:26 Uhr untergegangen, und in den kommenden Stunden wird Schnee erwartet. Die Silvesternacht verlief wie erwartet ruhig, keine einzige Rakete war zu hören oder zu sehen. Nicht mal Zisselmännchen (kennt die überhaupt noch jemand, der nicht in den 70er- und 80er-Jahren sozialisiert wurde?) machten sich bei -28 °C bemerkbar. Wer sollte die auch zünden?

Sanfte Wellen und Hügel

Diesmal habe ich mich für ein Bild aus dem schwedischen Fjäll entschieden, während mir das Internetradio gerade einen neuen Hit aus den 80er-Jahren präsentiert (Bonnie Taylor). Das Wort Fjäll bedeutet übersetzt einfach nur „Gebirge“. Norweger machen aus dem Wort ein „Fjell“, die Isländer bevorzugen die Schreibweise „Fjall“, und Finnland setzt auf „Tunturi“.

Es handelt sich in allen Fällen um Berge bzw. Hochflächen oberhalb der Nadelwaldgrenze. Zu den typischen geographischen Merkmalen gehören eine eiszeitliche Prägung mit sanften Wellen und Hügeln. Es gibt relativ geringe Höhenunterschiede und viele U-Täler. Die Senken sind meist von Seen durchzogen.

Ein Schreibtisch im Wald

Fotografiert habe ich das Motiv an einem Vormittag Ende Dezember entlang der Silberstraße, einer historischen Handelsroute, die quer durch das Herz des skandinavischen Nordens vom Bottnischen Meerbusen bis ins norwegische Bodø am Nordatlantik führt. Für den Erdkunde-Unterricht und jede Geographievorlesung ist die Silberstraße ein Traum. Quasi auf den Meter genau lassen sich die alpinen Höhenstufen bestimmen. Auf dem Foto ist im Hintergrund die hochalpine Kältewüste zu erkennen, während im Vordergrund die niedrigalpine Fjällzone mit Zwergstrauchheide dominiert. In trockenen Bereichen sind hier zudem Heidelbeeren, Preisel- und Krähenbeeren zu finden. Dazwischen liegen, jetzt von Dunst und meterhohem Schnee verborgen, mittelalpine Matten, die im Wesentlichen nur noch Gräsern einen Lebensraum bieten.

Auf dem Weg nach Hause und in tiefere Lagen passiere ich schließlich den subalpinen Fjällbirken-Wald und lande am Ende im borealen Berg-Nadelwald, in dem mein Schreibtisch steht.

Foto: „Fjäll“, Schwedisch-Lappland. Canon EOS 6D Mark II, f/4.0-5,6 VC Di USD, SP 70-300 mm, 114 mm, 1/25 sec, f/8, ISO 100, Stativ

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