Aus gegebenem Anlass wird es diesmal bunt, denn das zeitige Frühjahr ist die Phase im Jahr, in der (Nord-)Skandinavier, die eine gewisse Notwendigkeit erkannt haben, die Fassaden ihrer Holzhäuser mit frischen und konservierenden Farbanstrichen versehen. Wer kennt sie nicht, die „Bullerbü-Häuschen“ im klassischen „Schwedenrot“, die aus keinem TV-Schmachtfetzen, der viel zu oft sonntags ab 20:15 Uhr läuft, keinem Bildband und keiner Reportage über Skandinavien wegzudenken sind?
Günstiges Norwegen
Auch wir schrubben uns seit einigen Tagen abends rote Farbreste von den Händen, denn nach einem langen und harten Winter gibt es eigentlich immer etwas zu streichen bzw. auszubessern. Zumal Frühling und Sommer am Polarkreis kurz sind und wir im vergangenen Jahr nicht alles geschafft haben. Vorher stand allerdings noch ein langes Wochenende in Norwegen an, denn wir haben Glück und müssen „nur“ kurz über das Fjäll, um im Nachbarland den benötigten Farbennachschub kaufen zu können. Es sind rund 300 Kilometer von Arjeplog bis zum Städtchen Mo i Rana, das am Ranfjord und somit am Europäischen Nordmeer liegt.
Günstig einkaufen in Norwegen? In Mo i Rana? Eigentlich gibt es nahezu nichts, das dort günstiger ist als in Schweden. Malerfarben bilden eine rühmliche Ausnahme. Das hängt vor allem mit der Vertriebsstruktur zusammen. Während Norweger ihre Farbeimer bevorzugt aus Supermärkten oder Baumärkten nach Hause schleppen, läuft der Verkauf und Vertrieb in Schweden meist über spezialisierte Farbengeschäfte, die deutlich höhere Margen veranschlagen. Wer in Schweden einen Komplettanstrich seines Hauses plant, spart mit dem flüssigen Gold aus Norwegen umgerechnet schnell mehrere hundert Euro. Abhängig vom Zustand der Fassade und dem Schichtaufbau ist oft ein zweiter Anstrich notwendig, dann kann die Ersparnis auch im vierstelligen Eurobereich liegen. Ich habe jedenfalls das verlängerte Wochenende im Nachbarland für eine kleine Fototour genutzt und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden.
Klebende Mahnmale
Historisch betrachtet ist das klassische Schwedenrot auf den Abraum des Kupferbergbaus in der Stadt Falun zurückzuführen. Etwa ab dem 16. Jahrhundert war das „Pigment Falunrot“ Bestandteil von Außenanstrichen, die sich mehr und mehr zu einem Element der schwedischen Nationalromantik entwickelten. Geholfen hat sicherlich auch, dass die rote Farbe an die Backsteinbauten wohlhabender Mitteleuropäer erinnerte.
Wir haben einige Nebengebäude, die mit Falunrot (Falu rödfärg) gestrichen sind. Dieser Farbtypus hält besonders gut auf unbehandeltem und bereits verwittertem Holz. Er platzt nicht ab und ist durch einen „kreidenden Abrieb“ meist gut zu erkennen. Abgesehen davon ist klassisches Falunrot deutlich günstiger als die modernen Alkydharz- bzw. Ölfarben, die sich aus synthetischen Harzen und Bindemitteln zusammensetzen. Zudem kann die Trocknungszeit fortschrittlicher Farben, abhängig von der Witterung, mehrere Tage dauern. Der ölige Anteil ist hoch, schützt aber auch sehr gut das Holz. Deshalb sollte das „zeitige Frühjahr“ idealerweise so gewählt werden, dass die letzten Schneeschauer vorbei und die ersten Moskitos noch nicht im Luftraum sind. Letztere würden nämlich zu Hunderten als „klebende Mahnmale“ die schicke Fassade bereichern …
Das Foto zeigt die ebenso farbenfrohen wie historischen Speicherhäuser am Fluss Nidelv in der Stadt Trondheim in Mittelnorwegen. Mit ihren mehr als 200.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Trondheim immer eine Reise wert. Die Stadt bietet nicht zuletzt viele lohnende Fotomotive.
Foto: Farbenfrohes Trondheim, Norwegen. Canon EOS 6D Mark II, f/4L IS USM, 16-35 mm, 28 mm, 1/60 sec, f/8.0, +0,33 LW, ISO 100, Polfilter, Stativ.
