Ein unbestrittener Vorteil des Polarsommers ist die Möglichkeit, auch noch in der Nacht Tiere ohne nennenswerte Hilfsmittel fotografieren zu können. Im Fall dieses Rotfuchses, der mitsamt seiner Beute dankenswerterweise wie ein Profi vor der Kamera agierte, habe ich um kurz vor 22:00 Uhr auf den Auslöser gedrückt. Auch nach so vielen Jahren ist für mich die besondere Atmosphäre einer nächtlichen Fotopirsch in der Weite der schwedischen Wildnis mit Geld nicht zu bezahlen …

Körperliche Überlegenheit

Wie eigentlich immer gibt es aber auch noch eine andere Seite der Medaille. Das Wohlverhalten des Tieres gegenüber meiner Kamera gilt nämlich nicht für Meister Reinekes Auftreten gegenüber dem deutlich kleineren Polarfuchs. Aufgrund des Klimawandels verschiebt sich die Baumgrenze in immer höhere Lagen. Dadurch kann der Rotfuchs in Fjäll-Regionen vordringen, die einst zu kalt für ihn waren. Er ist dem Polarfuchs körperlich überlegen und besetzt mehr und mehr dessen Jagdreviere (beide Tierarten jagen bevorzugt Wühlmäuse und Lemminge). Doch nicht nur das: Im direkten Kontakt attackiert und tötet der Rotfuchs seinen kleineren Nahrungskonkurrenten und übernimmt zudem dessen Erdhöhlen, die für die Aufzucht des Nachwuchses unerlässlich sind. Deshalb gibt es seit einigen Jahren Schutzmaßnahmen und Rettungsprojekte zugunsten des Polarfuchses. Es wurden und werden selektive Futterstationen eingerichtet, die so schmale Zugänge haben, dass nur der Polarfuchs hineinschlüpfen kann. Zudem ist in einigen Regionen Schwedens und auch Norwegens die Bejagung des Rotfuchses verstärkt worden. Nicht zuletzt gibt es Zucht- und Auswilderungsprogramme, um die genetische Vielfalt des Polarfuchses zu stärken.

Foto: „Rotfuchs mit Beute“, Schweden. Canon EOS 6D Mark II, 5,6-6,3, 150-600 mm DG OS HSM, 600 mm, 1/500 sec, f/6,3, ISO 12.800, Stativ.

zurück zur Übersicht