Der Herbst ist da. Ohne Zweifel. Zu sehen ist er in subarktischen Gefilden meist schon ab Mitte August an jungen Birken – ihre Blätter verfärben sich zuerst gelb. Dann folgen die älteren Exemplare dieser Baumart, bis in den Hängen der Bergwälder das immerwährende und dominierende Grün der Kiefern und Fichten für wenige Wochen von den leuchtenden Farben der Birken und auch Espen verdrängt wird. Ich freue mich darüber. Der bevorstehende Winter am Polarkreis mit seinen tiefen Temperaturen und dunklen Tagen bereitet mir keine Sorgen. Im Gegenteil. Ich fühle mich privilegiert, einen halbwegs normalen Fortgang europäischer Jahreszeiten erleben zu dürfen.
Rheinischer Herbst im August
Ich habe es in diesem Jahr auch schon anders erlebt. Gleich zweimal hatte ich in diesem Sommer für jeweils rund zwei Wochen in Deutschland zu tun. Gleich zweimal bin ich in extreme Hitzeperioden hineingeraten. Im Chiemgau traf ich auf ausgetrocknete Bachbetten, die ich, zumindest solange ich diese kenne (fast 30 Jahre), noch niemals komplett ohne Wasser gesehen habe. Und im Rheinland habe ich Anfang August in einem Stadtpark gestanden, der eine definitiv herbstliche Anmutung hatte. Ich bin durch gelblich verfärbtes Laub spaziert, das eigentlich noch gar nicht hätte da sein dürfen. Unter Hitzestress haben viele Großgehölze in Köln ihre Blätter frühzeitig abgeworfen.
Vor diesem Hintergrund lohnt es sich immer wieder der sehr unbequemen Wahrheit der Klimawandelfolgen ins Auge zu blicken. Das tut weh. Hier hat zum Beispiel der Journalist Paul Ronzheimer auf Spotify mit dem Meteorologen Jörg Kachelmann über die aktuelle Situation gesprochen. Hörenswert, in manchen Formulierungen eigenwillig sowie drastisch, und, wie gesagt, schmerzhaft.
Weiter oben im Text habe ich angemerkt, dass ich mich privilegiert fühle. Warum? Ich darf im Sommer eine Hausfassade aus Holz bei moderaten 20 °C streichen und muss mich nicht bei weit über 30 °C quälen. Ich benötige nur drei Gehminuten, um von der Veranda in einen kühlen und sehr sauberen See springen zu können. Unsere Rasenflächen weisen ein sattes Grün auf. Zahlreiche Bäume spenden Schatten und bewirken zudem ein Mikroklima, das sehr, sehr angenehm ist. Das ist Glück und erzeugt Demut. Ich bin nicht gezwungen in von unzähligen Betonbauten umgebenen Wohnräumen leben zu müssen, die sich allesamt nicht runterkühlen lassen, und – wie so viele andere Zimmer oder Büros in Krankenhäusern, Altenheimen und Unternehmen – die Gesundheit und in letzter Konsequenz das Leben gefährden können.
„Kein ganz normaler Sommer“
Auch wenn es vor Kurzem in einem ARD-Sommerinterview behauptet wurde: In diesem Jahr gab es keinen „ganz normalen Sommer“ in Mitteleuropa. Die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels beklage ich und trage gleichzeitig selbst zu einer Verschärfung bei: Ich heize zum Beispiel im Wesentlichen mit Holz. Puste also nach alter skandinavischer Tradition über den Kamin Abgase und Partikel in die Luft, die den Treibhauseffekt im Kern ausmachen und zu einer immer weiter fortschreitenden Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen. Gleichzeitig entnehme ich der Umwelt mit dem Verheizen von Bäumen wichtige Kohlenstoffspeicher und verlässliche Partner im Kampf gegen Bodenerosion und vielem mehr. Habe ich eine grundlegende Lösung für das Dilemma? Nein, habe ich nicht. Immerhin ist eine Luft-Wärme-Pumpe im Haus verbaut.
Die physikalischen und chemischen Faktoren des Klimawandels lassen sich berechnen und sind „nichts weiter“ als fundierte Wissenschaft. So fundiert übrigens, dass die Folgen des CO2-Anstiegs in der Atmosphäre schon seit Jahrzehnten bekannt und nicht anzuzweifeln sind. Hoimar von Ditfurth hat beispielsweise in der ZDF-Sendung „Querschnitt“ bereits im Jahr 1978 hier auf die Auswirkungen des Klimawandels hingewiesen.
Das Foto habe ich vor einigen Jahren Mitte September nahe dem kleinen Ort Arjeplog aufgenommen. Es illustriert auf den Höhenmeter genau den Übergang vom farbenfrohen Herbst in den schwedischen Winter.
Foto: „Herbst im Fjäll“, Lappland, Schweden. Canon EOS 7D, f/4.0-5,6 VC Di USD, SP 70-300 mm, 70 mm, 1/125 sec, f/8, ISO 160, Stativ
